Unterwegs in der vierten Dimension

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Havemann, Antje (2016): Unterwegs in der vierten Dimension – Oder: kleine Störungen im System. In: Beeren, Willem-Jan; Berding, Ulrich; Kluge, Florian (2016): Raum auf Zeit, Band 4, S. 11-21

Unterwegs in der vierten Dimension – Oder: kleine Störungen im System

Come senators, congressmen Please heed the call
Don’t stand in the doorway Don’t block up the hall

For he that gets hurt
Will be he who has stalled
There’s a battle outside and it is ragin’
It’ll soon shake your windows and rattle your walls For the times they are a-changin’

(Bob Dylan, 1963/64, The Times They Are A-Changin’)

Die Zeiten ändern sich – das klingt zunächst nach der Wiederholung einer Platitude. Das Dylan-Zitat, mit passender Gesangsnachahmung selbst Gegenstand unzähliger Parodien, transportiert jedoch immer noch den Geist des Aufbruchs und Neuanfangs, der Urgewalt, die entfesselt alles mit sich reißt, was ihr im Weg steht. In der dritten Strophe des Liedes geht es ganz konkret um das Etablierte, besonders um den gebauten Raum. Die Hallen und Eingänge sollten besser freigehalten werden für das Neue, das in alles einvernehmender Energie an Fenstern rütteln und Mauern einreißen und mit ihnen auch die etablierten Strukturen und Systeme, im Lied repräsentiert von den Senatoren und Kongressabgeordneten, umkrempeln wird. Der feste, gebaute Raum wird keinen Schutz mehr bieten; wer den Aufruf nicht hört und den Status quo nicht aufgibt, wird hinweggefegt von der Dynamik und dem zwingenden Vorwärtsstreben neuer Mög-lichkeiten. So kämpferisch wie in den zitierten Zeilen von Bob Dylan geht es in den RaumAufZeit-Projekten nicht zu. Sie stehen allerdings, und das schwingt in der Interpretation der Werke unterschwellig immer mit, in der Tradition der künstlerischen Avantgarde der 1960er/-70er Jahre. Diese Tradition ist per se politisch verpflichtend, sprengt sie doch ganz bewusst Systemgrenzen und (räumliche) Ordnungen. Es ist eine große, viel diskutierte Frage, ob Kunst politisch ist, sein kann, sein darf, sein muss. Meist zielt diese Frage auf das Motiv des jeweiligen Kunstwerkes oder den biografischen Hintergrund des Künstlers. Kunst ist jedoch in einem viel größeren Maßstab politisch, nämlich als Ausdruck gesellschaftlichen kreativen Schaffens zu einer bestimmten Zeit an einem konkreten Ort in einem nachvollziehbaren Kontext. […]

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